Sticken und Beten

Sticken und Beten
Die Textildynastie Jacob Rohner: Familie, Firma, Klerus (1873-1988)
Chronos Verlag, Zürich, Oktober 2015, ca. 280 S., ca. 140 Abb. s/w. Geb. 38 CHF
mit aktuellen Porträts von Willi Keller.

Medienecho, Laudatio und Dank siehe unten

Sticken und Beten ist weit mehr als eine wechselvolle Firmengeschichte: Streng gehütete Tagebücher, Briefe und Familienfotos gewähren intime Einblicke ins Leben und Wirken der Stickereidynastie Jacob Rohner. Die Autorin schildert das katholische Milieu, die Überwachung der Arbeiterinnen in den «Mädchenheimen», die Einflüsse der Jesuiten und der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Die Leitlinien des päpstlichen Eliteordens dienten den Fabrikantenfamilien Rohner und Geser als Richtschnur. Um die Firmennachfolge zu optimieren und den konservativen, katholischen Geist zu bewahren, wurden Ehen arrangiert und unbotmässige Nachkommen ausgeschaltet. Die Jacob Rohner AG überwand beide Weltkriege, stand die Stickereikrisen durch und galt 1962 als grösstes Stickereiunternehmen des Landes. Das Buch macht die Turbulenzen der Stickereiindustrie sichtbar, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Schweizer Exporte anführte und den Ostschweizer Alltag über Jahrzehnte prägte. Die Parallelen zur heutigen Zeit verblüffen: vom ersten Börsencrash über den starken Franken der Dreissigerjahre und vom gefährdeten Werkplatz Schweiz bis hin zum verfolgten Düsseldorfer Banker, der sich in der Rebsteiner Villa Jung-Rhein versteckt hielt. 1988 ging die katholische Traditionsfirma mit Stickereiwerken, Sockenfabrik und Weberei an den freisinnigen Konkurrenten Forster Willi, die heutige Forster Rohner Gruppe. Die Rheintaler Standorte wurden geschlossen. Die Rohner-Socken haben überlebt. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schildern den Wandel.


Buchbesprechungen

Pressestimmen Chronos Verlag

Tagblatt Rorschach, 24.9.2016Einblicke in eine TextildynastieLinda Müntener

WOZ, NR. 34, 25.8.2016 – „Faszinierend im Buch ist der ständige Perspektivenwechsel: Wir begleiten die extremen Konjunkturverläufe der Stickereiindustrie, lernen die Schicksale von Arbeiterinnen und Arbeitern, Lehrlingen und Gouvernanten kennen, verfolgen den Alltag in den pompösen Villen der Familienglieder, die in Haus und Garten, im Sommersitz auf der Lenzerheide, mit vornehmem Auto und Nerzstola ihren Lebensstil zelebrierten. Wir lesen aber auch über die subtilen Ausgrenzungsmechanismen im Familiennetz, wo ausschweifender Lebenswandel, vermutete Homosexualität oder auch persönliche Sympathien und Antipathien über persönliche und berufliche Schicksale entschieden. (…) Jolanda Spirigs sorgfältig recherchiertes Buch ist ein gelungener Beitrag zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte der Schweiz.“ Dr. Heidi Witzig – Als der spätere Papst nach Rebstein kam

Schweizer Familie, 4.8.2016 – „Jolanda Spirig hat weitgehend ohne das noch vorhandene Firmenarchiv gearbeitet. Sie konnte sich aber auf andere wichtige Dokumente stützen; zahlreiche Interviews, eindrückliche Briefe, wackelige Familienfilme und aufschlussreiche Bilder standen ihr zur Verfügung. Sie hat daraus ein lesenswertes zeitgeschichtliches Buch zu komponieren verstanden.“ Jost Auf der MaurDie eiserne Lady

notabene, Zeitschrift für die Mitarbeitenden der Zürcher Landeskirche, Juni 2016 – „Zu Wort kommen in diesem Buch aber nicht nur die Patrons, sondern auch die Mitar-beitenden. Die Autorin zeigt die harten Arbeitsbedingungen in den frühen Jahren und gibt Menschen das Wort, die ihr ganzes Leben in der Firma verbracht haben und nach dem Verkauf auf der Strasse stan-den. Ein bewegendes Stück Wirtschafts- und Sozialgeschichte und ein packendes Porträt einer Schweizer Unternehmerfamilie“- Christian Schenk

infowilplus.ch, 1.5.2016„Stickerei und Mode – made im Rheintal…“ Annelies Seelhofer-Brunner

Kultur-Zeitschrift, März 2016 – „Dass die Geschichte der Vorarlberger Textilindustrie eng mit derjenigen der Ostschweiz zusammenhängt, ja dass die Entwicklung zum ‚Textilland‘ Vorarlberg ohne die Impulse aus der Schweiz, ohne die grossen Textilhändler aus St. Gallen und ohne die Schweizer ‚Fergger‘, die Zwischenhändler der in Heimarbeit entstandenen Produkte aus dem Rheintal und dem Bregenzerwald, kaum vorstellbar ist, hat sich längst herumgesprochen. Umso erstaunlicher ist es, wie wenig man hierzulande über die Schweizer Firmen weiss, mit deren Entwicklung auch das Schicksal vieler Vorarlberger Textilproduzenten verknüpft war.“ „Sticken und Beten“ für Familie und Gott – Dr. Markus Barnay, Redakteur ORF Vorarlberg

NZZ am Sonntag, 28.2.2016 – „Geblieben sind heute nur noch die Rohner-Socken vom einst grössten Stickerei-Exportunternehmen der Schweiz, der Jacob Rohner AG im Rheintal. Jolanda Spirig erzählt die Geschichte dieser Firma von ihrer Gründung 1873, als der 21-jährige Käser Jacob Rohner vier Handstickmaschinen auf Kredit erwarb, über ihren Höhepunkt vor dem ersten Weltkrieg bis zum Verkauf 1988. Ein überreiches Privat- und Firmenarchiv ermöglichte der Autorin eine manchmal ausufernde, aber immer lebensvolle Darstellung von vier erzkatholischen und kinderreichen Unternehmer-Generationen. Den damaligen Bedarf an Stickereien in wohlhabenden Kreisen illustrieren dabei die Familienfotos: Rohner-Kinder sind in weissen Spitzen, Schürzchen und Kleidchen grossgeworden. Die Geschichte einer Firma wird damit zur Schweizer Familien- und Kulturgeschichte.“ Kathrin Meier-Rust

Appenzeller Volksfreund, 28.1.2016 – „Sticken und Beten“ von Jolanda Spirig handelt von Aufstieg und Niedergang eines Marktführers „1990 kam die grosse Wende, die Globalisierung fing an dazu greifen, und die Schweizer Löhne liessen sich nicht mehr auf die Produkte umlagern“, heisst es in der Firmengeschichte der Jacob Rohner AG. Ähnlich äusserte sich der CEO der Weberei Appenzell im vergangenen Jahr. Das Thema ist brandaktuell.“ Rolf Rechsteiner/Elke Baliarda – Mehr als eine wechselvolle Firmengeschichte

Rheintaler Bote, 13.1.2016Auf Spurensuche einer DynastieMartina Macias

Kunstbulletin 1/2 2016 St. Gallen: Andrea Vogel. „Spirig zeichnet in ihrem kürzlich erschienenen Buch ‹Sticken und Beten› die Geschichte der Stickereidynastie Jacob Rohner nach. Sie entwirft das Porträt einer streng katholischen Familie mit besten Beziehungen ins päpstliche Rom, mit arrangierten Ehen, wirtschaftlichem Kalkül und strengem Angestelltenregime. Vogel gelingt es, die gut verwobenen historischen Fäden aufzunehmen und ebenfalls zu einer stimmigen Inszenierung zu verbinden.“ Kristin Schmidt 

ostschweizerinnen.ch, 10.12.2015 – „Die Prinzipalin verschaffte sich mit ihren Auftritten Respekt, doch geliebt wurde sie nicht. Als Witwe hatte sie ihren verstorbenen Mann aufs Podest gehoben – noch heute werden für Albert Geser-Rohner Heilige Messen gelesen. Sie selbst wurde vergessen.“ Elke Baliarda –Mächtig, aber ungeliebt: Die Fabrikantin in „Sticken und Beten“

St. Galler Tagblatt, 3.12.2015 Im Keller der ErinnerungAusstellungsbesprechung von Christina Genova

Radio SRF2 Kultur, 30.11.2015 – Die Rohners: Mit Zucht und Ordnung zum «Spitzen»-Erfolg, Buch- und AusstellungsbesprechungRemo Vitelli

SRF Regionaljournal Ostschweiz, 27.11.2015 – Interview mit SRF-Kulturredaktor Remo Vitelli:  Textildynastie Jacob Rohner (Start nach 7:24 Min.)

sda, 12.11.2015 – „Der Untertitel des Buches ist Programm. Jolanda Spirig zeichnet nicht nur die Entwicklung der Stickereiindustrie nach, sie gräbt auch tief in der Familiengeschichte und im katholisch-konservativen Milieu. Unzählige Fotografien, Briefe und Tagebücher geben den Geschichten ein Gesicht.“ – Nathalie Grand – „Sticken und Beten“ ein Stück Ostschweizer Textilgeschichte

TeleOstschweiz, 10.11.2015 Talk auf dem Sofa

Ostschweizer Kulturmagazin saiten, November 2015 – «Sticken und Beten bietet tiefe Einsichten in bisher wenig bekannte Machtstrukturen des katholisch-konservativen St. Gallen, dessen Ausprägungen sich bis in die heutigen Tage erstrecken. Schon deshalb lohnt sich die Lektüre des Bandes, der mit vielen Fotos aus dem Familienalbum auch die luxuriöse Lebenswelt der rheintalischen Stickereibarone vor Augen führt. […] Mit ihrem eingehend recherchierten Band leistet Jolanda Spirig der historischen Aufklärung über die wirtschaftlichen und politischen Machtverhältnisse im Kanton St. Gallen einen grossen Dienst.» Ralph Hug – Eine schwarze Familien-Saga

St. Galler Tagblatt, 31.10.2015 – «Jolanda Spirig erzählt, wie sie zum Thema ihres neuen Buches gekommen ist. Für einen Sammelband soll sie vor ein paar Jahren diese Josy Geser-Rohner porträtieren und findet an Unterlagen fast nichts. Jahre später erfährt sie, dass es da einen Urenkel von Jacob Rohner gibt, der ihr eine Fülle von Briefen und Tagebüchern überlässt. Sie spricht mit ehemaligen Angestellten, studiert wirtschaftliche Zusammenhänge – und komponiert daraus eine farbige Firmen- und Familiensaga. Sie handelt von einer Familie, die sich kaum je im Dorf zeigt – oder höchstens bei der Durchfahrt im Cadillac. Was diese Firma produziert, ist Stickerei von allerschönster Qualität…» Rolf App – Sorgen einer Textildynastie 

Der Rheintaler, 26.10.2015 – «’Das Buch ist weit mehr als eine wechselvolle Firmengeschichte‘, heisst es einleitend in der Beschreibung von ‚Sticken und Beten‘. Das jüngste Werk von Jolanda Spirig ist tatsächlich mehr. Das Buch hat die Besucherinnen und Besucher des Anlasses nicht nur fasziniert. Es hat auch berührt. Es war spürbar: Viele der Gäste haben oder hatten einen Bezug zum Stickereiunternehmen Jacob Rohner AG – direkt oder indirekt.» Kurt Latzer – Viele Leute haben gestickt und gebetet

Buchvernissage, 24.10.2015 – «Das Verweben von Familien- und individuellen Lebensgeschichten mit den grossen historischen Entwicklungen berührt und fesselt. Es macht in einem zeitgenössischen Kontext Befindlichkeiten, Gefühle, Ängste und Freuden sichtbar. Es dokumentiert die Menschen in ihrer Zeit und gibt so dem individuellen und dem kollektiven Erinnern Raum. (…) Diese Art der dichten alltagsweltlichen Geschichtserzählung lebt von einem speziellen Quellentyp: das sind Privat- und Familienarchive. Das sind verborgene und ganz private Quellenschätze. Diese zu öffnen braucht Mut und Vertrauen. (…) Es gehört zu den ausgesprochenen Qualitäten von Jolanda Spirig als Autorin, dass sie durch ihre bisherige publizistische Tätigkeit das Vertrauen erworben hat, mit so sensiblen privaten Quellensammlungen und persönlichen Erinnerungen respektvoll und wertschätzend umzugehen. Nie setzt sie sich als Autorin und Erzählerin über ihre Protagonistinnen und Protagonisten hinweg – nein, sie nähert sich ihnen auf Augenhöhe, das spürt man von der ersten bis zur letzten Zeile.» Dr. Christa Köppel, Präsidentin Rheintaler Kulturstiftung – Laudatio


Dank

Kanton St. Gallen Kulturförderung/Swisslos Rheintaler Kulturstiftung
Politische Gemeinde Rebstein
Alexander Schmidheiny Stiftung
Stiftung Fürstlicher Kommerzienrat Guido Feger
Stiftung zur Erforschung der Frauenarbeit
CasaInvest Rheintal AG, Eigentümerin ri.nova impulszentrum, Rebstein
Clientis Biene Bank im Rheintal
Helvetia Generalagentur Rheintal
Werner Ritter Advokatur

Rohner Socks
SFS Group AG
Zünd Systemtechnik AG

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